Vermögensschutz erfordern

15.01.2012 in Frankfurt – 22.01.2012 in München – 28.01.2012 in Hamburg
Beginn um 10 Uhr und voraussichtliches Ende gegen 18 Uhr Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Freundinnen und Freunde des Silbers!

Schulte ThorstenTThorsten Schulte zeigt sich weiterhin davon überzeugt, dass trotz der von ihm seit Mitte 2011 beschriebenen Verlangsamung der Weltwirtschaft Inflation das Thema der Jahre 2012 bis 2014 werden wird. Kurzfristig greift insbesondere in der Euro-Zone noch eine Deflationsgefahr, aber wir dürfen jetzt nicht die Augen vor der finalen Phase unseres heutigen Papiergeldsystems verschließen. Aus Sicht des Silberjungen wird sich bereits im Verlauf von 2012 entscheiden, ob die Verantwortlichen dabei auf eine Weltwährungsreform nach einer vorgelagerten Inflationswelle setzen werden oder sich die Befürworter von „Finanzieller Repression“ durchsetzen können. Letztlich geht es um die Frage, wie wir die Überschuldung

“Die Rally bei Gold und Silber wird anhalten!”

Ein Interview mit “Silberjunge” Thorsten Schulte zu Edelmetallen, Geld und seinem Buch.

Herr Schulte, Sie sind auch als Silberjunge bekannt. Sind Sie ein Papiergeld-Skeptiker?
Schulte: Das bin ich nicht von Hause aus. Die Geschichte lehrt uns, dass es auch Phasen gibt in denen sich Papiergeld bewährt – etwa in den 80er und 90er Jahren. Ich halte Papiergeld eher für einen Lebensabschnittspartner.

Und momentan haben Sie Silber lieber, sogar lieber als Gold?
Schulte: Es existiert derzeit eine gigantische Blase für Staatsanleihen und Bankschuldverschreibungen. Die Staaten und Banken haben enorme Schulden angehäuft. Silber dient als Vermögensschutz. Und aus der historischen Erfahrung lässt sich ableiten, dass Silber das bessere Gold ist.

Thorsten Schulte

So heißt auch Ihr Buch. Wie kommen Sie darauf?
Schulte:Von 2003 bis heute ist der Wert von Silber in der Spitze um 600 Prozent gestiegen, Gold im gleichen Zeitraum nur um 200 Prozent. 2003 begann Präsident Bush in den USA mit einer Reflation, einer auf die Vermeidung einer Deflation ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Er senkte damals die Steuern um 300 Milliarden Dollar, begann den Irakkrieg und auch die Immobilienblase erhielt seinerzeit Nahrung. Ende 2008 wiederholte sich dies mit gigantischen Konjunktur- und Bankenrettungspaketen, auch in Europa.

Und wie sieht es jetzt aus? Die Preise für Gold und Silber sind deutlich gefallen.
Schulte: Alle Frühindikatoren deuten auf einen Konjunktureinbruch und die Gefahr einer Wiederholung von 2008 kann nicht geleugnet werden. Deshalb bin ich jetzt auch nicht so euphorisch für Silber wie 2010 – aber nur kurzfristig. Die Hausse lief von Mitte 2010 bis April 2011.

Sie bevorzugen Silber vor allem, weil es im Gegensatz zu Gold auch von der Industrie benötigt wird.
Schulte: Das ist richtig. Silber ist nicht nur ein Edelmetall, das nur einen ideellen Wert hat. Ein Beispiel: Ein großer internationaler Autokonzern hat mir seine Daten zur Verfügung gestellt. Demnach verbraucht er über die gesamte Flotte gesehen eine Unze Silber pro Fahrzeug. Bei Luxuswagen sind es sogar zwei Unzen. Das heißt bei jährlich etwa 60 Millionen produzierten Autos weltweit 60 Millionen Unzen Silber.

Wie hoch ist denn die konjunkturabhängige Industrienachfrage bei Silber Ihren Zahlen nach?
Schulte: Ich gehe bei Silber von rund 50 Prozent aus. Rechnet man zur Industrie noch die Fotografie und Tafelsilber dazu komme ich auf 60 bis 70 Prozent. Das heißt im Umkehrschluss, nur 30 bis 40 Prozent der Silbernachfrage stammen aus der Schmuckbranche und dem Investmentbereich. Bei Gold sind es fast 90 Prozent. Vergleicht man nun die Investmentnachfrage von Silber und Gold, wird deutlich, dass Silber Nachholpotenzial hat. 2010 gab es eine Silbernachfrage von Anlegern in Höhe von 9,6 Milliarden Dollar zu heutigen Preisen, bei Gold dagegen von 76 Milliarden Dollar.

Wann würden Sie Silber verkaufen?
Schulte: Momentan ist eine Unze Gold 52-mal so viel wert wie eine Unze Silber. Ein Verhältnis von 1:31 haben wir dieses Jahr schon einmal gesehen. Ich erwartet, dass Gold in drei, vier, oder fünf Jahren 14-mal so viel wert ist wie Silber. Spätestens dann, bin ich auch bereit, zu sagen, dass die beste Zeit für Silber vorbei ist. Bis dahin wird es immer mal wieder vorübergehend Rückschläge beim Silberpreis geben – das ist wie beim Menschen, der muss nach dem Einatmen auch irgendwann mal wieder ausatmen.

Gibt es nicht längst eine Blase bei den Edelmetallen?
Schulte: Nein, in Wirklichkeit haben wir eine Anleihenblase. Ende März betrug das Volumen der Staatsanleihen weltweit 98.000 Milliarden Dollar beziehungsweise 151 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts. In den 80er Jahren waren wir bei 15.000 Milliarden Dollar und 78 Prozent des Welt-BIP. Das bis 1980 geförderte Silber betrug seinerzeit 14 Prozent des Weltfinanzvermögens. Das bis Ende 2010 geförderte Silber hat nur einen Wert von 0,7 Prozent des Weltfinanzvermögens. Von einer Blase wie 1980 sind wir also noch weit entfernt.

Wo wird der Silberpreis in Zukunft stehen?
Schulte: Ich rechne mit 100 Dollar pro Feinunze ab Ende 2012 oder im ersten Halbjahr 2013. Man möge mich aber bitte nicht sofort verhaften, wenn ich mich mit dem Zeitpunkt etwas vertan habe. Wichtig ist, nicht das ganze Vermögen in Silber zu stecken. Ich will Anleger auch nicht zu Glücksrittern des Silbermarktes machen, sondern ihnen einen gesunden Vermögensschutz aufzeigen.

Wie viel Silber sollte jeder Anleger haben?
Schulte: 20 bis 30 Prozent sollten es im Depot schon sein. Ich persönlich habe mehr, denn eine solche Jahrhundertchance erlebt man nicht alle Tage. Gold- und Silberminenaktien zur Beimischung kann ich auch noch empfehlen.

Was ist mit anderen Aktien?
Schulte: Im Januar 2012 wird ein neues Buch von mir erscheinen, eine Art Silberkompass oder Fibel. Darin werde ich angeben wie viele Unzen eine Aktie etwa von BASF oder BMW 1973 oder 1980 wert war. Mit Hilfe solcher Zahlen können Anleger dann abschätzen, wann sie die Ernte einfahren müssen. Ich will Aktien nicht generell verteufeln, aber jedes Investment hat seine Zeit.

Und wann ist die Uhr für Gold und Silber abgelaufen?
Schulte: Die Sternstunden von Gold und Silber gegenüber Aktien haben wir erst noch vor uns. Ich schätze die nächsten ein bis vier Jahre.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schulte.